Die Vojvodina – Umbrüche und Neugestaltung einer europäischen Kulturlandschaft im 20. und frühen 21. Jh. zwischen orthodoxer und lateinischer Welt

Sonntag 21.02. bis Freitag 26.02.2016

in der Bildungs- und BegegnungsstätteDer Heiligenhof“, Bad Kissingen

 

Seit 1991 bildet die autonome Provinz Voivodina, die nach 1945 als politische Region innerhalb des kommunistischen Jugoslawien geschaffen wurde, den nördlichen Teil der heutigen Republik Serbien.

Zusammengesetzt aus Regionen des historischen Ungarn – dem westlichen Banat, dem Großteil der Batschka und dem Osten Syrmiens – bildet sie bis heute trotz aller auch gewaltsamen Umbrüche im 20.Jahrhundert eine zentrale Brücke nicht nur Serbiens nach Mitteleuropa.

Trotz der Vertreibung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg und zusätzlich vieler Ungarn und nach 1991 der Verdrängung vieler Kroaten kann die Provinz als eine der ethnisch und religiös heterogensten in ganz Europa betrachtet werden.

Es leben dort mehrheitlich Serben mit ganz unterschiedlicher kultureller Ausrichtung und Geschichte, dann Ungarn für die ein Gleiches zu sagen ist, Slowaken, Rumänen, Bulgaren, Kroaten, Bunjevatzen, Tschechen, Mazedonier, Montenegriner, eine nunmehr sehr kleine deutsche Gemeinschaft und Roma.

Wir wollen auf unserem Symposium die bewegte Geschichte dieser Region mit dem Schwerpunkt auf die Zeit von 1918 bis in die Gegenwart hinein beleuchten.

In einem zweiten Teil wollen wir die Lebenswelten und die gegenwärtige Situation der verschiedenen nationalen Minderheiten analysieren und uns den Fragen nach der politischen und ökonomischen Entwicklung der Voivodina innerhalb Serbiens und

dann mit Blick auf das nunmehr von vielen Erschütterungen geprägte westliche und mittlere Europa stellen.

Auch Themen wie Migration in die Voivodina nach 1945 bzw. 1991 und aus der Voivodina heraus, sowie die Situation der verschiedenen christlichen Konfessionen werden diskutiert.

Nicht zuletzt wird der Umgang mit dem reichen kulturellen Erbe der Donauschwaben betrachtet und die dahingehenden Entwicklungen der letzten 25 Jahre nachgezeichnet.

 

Dr. Meinolf Arens

Teodora Živković, M.A.

Werner Harasym

 

Programm

Sonntag, 21.02.2016

- Begrüßung durch Gustav Binder (Studienleiter "Der Heiligenhof") und Dr. Meinolf Arens (Vorsitzender des Trägervereins des INTEREG e.V.), Werner Harasym und Teodora Živković M.A. (beide INTEREG e.V.)

- Einleitende Betrachtungen: Die Vojvodina als europäische Kulturlandschaft zwischen orthodoxer und latainischer Welt. Brüche und Kontinuitäten.

Referent: Bernd Posselt (Präsident der Paneuropa Union Deutschland, München)

 

Montag, 22.02.2016

-  Dr. Meinolf Arens (München): Menschen und Kulturen auf dem Gebiet der späteren Vojvodina bis 1918. Eine einführende Betrachtung.

- Dr. József Liszka (Komárno/Komárom): Die Vojvodina und die kleine Tiefebene. Ethnische, kulturelle und sprachliche Wechselbeziehungen vom 16. Jh. bis zur Gegenwart.

Prof. Dr. Michael Schwartz (München): Der Balkan als Vertreibungslabor. Zur Entstehung der Gewaltpolitik ethnischer "Säuberung" im 19. und 20. Jh.

- Dr. Zoran Janjetović (Belgrad): Migrationen, Ansiedlungen, Flucht und Vertreibung aus und in die Vojvodina 1918-2016. Eine Gesamtbetrachtung.

 

Dienstag, 23.02.2016

- Dr. Tvrtko Sojčić (Essen): Die Donauschwaben im kroatisch-serbischen Spannungsfeld in Jugoslawien 1918-1941.

- Dr. Krisztían Ungváry (Budapest): Ideologisch motivierte Gewalt- und Umgestaltungsmaßnahmen und -pläne. Terror und Ausbeutung: Die ungarische Politik in der zurückgewonnenen Batschka und die deutsche Besatzungspolitik im Westbanat 1941-1944.

- Die Donauschwaben. Eine Dokumentation

Filmvorführung mit Regisseur Marko Cvejić (Belgrad, Ljubljana)

Dr. Zoltán Klamár (Kanjiža/Magyarkanizsa): Identitätskonstruktion und 

gesellschaftliches Zusammenleben. Beispiele aus der Vojvodina 1945-2000.

 

Mitwoch, 24. 02.2016

- Ivana Janjić M.A. (Novi Sad): Brüche und Kontinuitäten: Lebenswelten

und Kulturgeschichte der rumänischen Minderheit im Westbanat.

- Teodora Živković M.A. (Zagreb): Eine geschlossene Gesellschaft? Die

Slowaken in der Vojvodina 1991-2016.

- Dr. Meinolf Arens (München), Katerina Kakasheva Dipl. Phil. (Skopje): 

Neue Kolonisten", "ewige Kolonisten", Neue Heimat wird Alte Heimat?!

Betrachtungen zum Schicksal der Mazedonier, Bulgaren, Bukowina Szekler

(Ungarn) 1883-2016.

- Filmvorführung: Lost in History. Das bewegende Schicksal zweier

Donauschwäbinen. Mit der Regisseurin: Eva Hübsch (Novi Sad/Neusatz)

 

Donnerstag, 25.02.2016

- Bischof László Német SVD (Zrenjanin/Nagybecskerek/Großbetschkerek): 

Die Situation der katholischen Kirche im Banat in der Periode nach dem I.

Weltkrieg bis zur Einrichtung der Diözese Zrenjanin  (1918-1986)

Podiumsgespräch moderiert von Dr. Meinolf Arens (München) u.a. mit Stefan

Barth (Erlangen) und den anderen Referenten aus der Vojvodina:

Gegenwart und Zukunft: Aktuelle Autonomiekonzeptionen und Debatten rund

um dieVojvodina.

- Prof. Dr. Franz Metz (München): Musik als verbindendes Element von

Völkern, Sprachen und Kulturen: Das Fallbeispiel der Geschichte des

musikalischen Erbes der Donauschwaben. (Mit Hörproben)

- Abschlussdiskussion mit einleitenden Gedanken von Stefan Barth

(Erlangen)

 

 

Veranstalter:

 

Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“, Bad Kissingen

 

Deutsch-Ungarische Gesellschaft e.V., Berlin

 

Institut für Slawistik und Kaukasusstudien – Friedrich-Schiller-Universität Jena – Philosophische Fakultät

 

Internationales Institut für Nationalitätenrecht und Regionalismus, München – INTEREG – e.V.

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