Seminar »Kleine Minderheiten in Europa und ihre Entwicklung von 1990 bis 2010«

 

Von 21. bis 23. Januar 2011

In der Bildungs- und Begegnungsstätte "Der Heiligenhof", Bad Kissingen

 

Freitag, 21. Januar 2011

Moderation: Studienleiter Gustav Binder und Dr. Ortfried Kotzian

Kurzbericht: Der „Teilhabestatus“ des INTEREG beim Europarat

Berichterstatter: Josef Peter Fuckerieder, Kehl am Rhein

Prof. Dr. Rudolf Grulich, Nürnberg: Zukunftsperspektiven kleiner Volksgruppen in Europa: Von der Insel Man über Liven und Karaime zu den Istrorumänen, Dobrudschatataren und Ubychen

 

Samstag, 22. Januar 2011

Tagesthema: Kleine Minderheiten im Donau-Karpatenraum

Dipl.-Geogr. Nina Roser, Berlin: Die Deutschen in Ungarn

Tünde Kaip, B. A., Straubing: Die Deutschen in der Slowakei

Dr. Meinolf Arens, Geseke: Kleine Minderheiten im Donau-Karpatenraum im Vergleich

Andreas Toscano del Banner, M. A., München: Aus der Forscherwerkstatt: Geographische und demographische Studien zu kleinen Minderheiten in Ungarn und der Slowakei

Workshops „Ungarn“ und „Slowakei“ – 10 Thesen zu 2 Ländern

Berichte aus den Workshops

Leitung: Dr. Ortfried Kotzian, Augsburg

 

Sonntag, 23. Januar 2011

Podiumsdiskussion: Kleine Minderheiten im europäischen Vergleich

Referenten:

Giorgi Chkhaidze, M. A., München (Georgier)

Tatiana Koroleva, M. A., München (Russin)

Matthias Lempart, M. A., Mechnitz (Schlesier)

Azat Ordukhanian, Bochum (Armenier)

Dr. Eugenie von Trützschler, Tiefengruben (Pragerin)

Moderation: Dr. Meinolf Arens, Geseke

 

 

Bericht: Jahrestagung INTEREG, von Dr. Meinolf Arens

 

Vom 21.01-23.01.2011 fand in der Bildungsstätte Heiligenhof in Bad Kissingen die Jahrestagung des Instituts für Minderheiten und Regionalismus statt.

 

Schwerpunktthema waren kleine Minderheiten im Östlichen Europa seit der Wende aus vergleichender Perspektive mit Schwerpunkt auf die Deutschen in Ungarn und der Slowakei.

 

Rund 60 Teilnehmer, die in regen Diskussionen an der Veranstaltung auch aktiv teilnahmen, waren anwesend.

 

Die Veranstaltung wurde nach einem Beitrag von Dr. Ortfried Kotzian (HDO München) zu Thematik und Konzeption und der Begrüssung durch den Leiter des Heiligenhofes Gustav Binder mit einem Vortrag von Prof. Dr. Rudolf Grulich über kleine latent diskrminierte christliche Minderheiten in der Türkei in der Gegenwart eingeleitet. Trotz zahlreicher Eingaben von Seiten von Menschenrechtsorganisationen und der EU und positiven verbalen Verlautbarungen von staatlich türkischer Seit,e sind Christen in dem EU Beitrittskanditatenland weiterhin real Bürger zweiter Klasse. Überalterung und Migration führen zudem zu einem weiteren zahlenmässigen Rückgang, der in einer mittleren Perspektive das völlige Verschwinden dieser alteingesessenen Gruppen in der Türkei befürchten lässt.

 

Der kommende Tag war ganz der Sitation der deutschen Minderheiten in der Slowakei und in Ungarn gewidmet und wurde durch die Mitarbeiter des HDO Forschungsprojekt zu diesem Thema gestaltet.

 

Tünde Kaip widmete sich in ihren Ausführungen der deutschen Minderheit in der Slowakei, die obwohl durch zahlreiche kulturelle Austauschprogramme mit Deutschland eingebunden und gefördert, aufgrund ihrer demographischen Situation von rund 5000 meist älteren Personen weiter abnimmt. Ihr Status innerhalb der slowakischen Mehrheitsgesellschaft ist hoch, die kulturellen Programme von deutscher Seite werden auch von Slowaken und anderen Bewohnern des Staates gut frequentiert.

 

Nina Roser M.A. behandelte in ihrem Beitrag die Entwicklung der deutschen Minderheit in Ungarn seit der Wende. Im Gegensatz zur Slowakei sind hier weitaus mehr Deutsche verbleiben, die auch über zahlreiche Minderheitenselbstverwaltungen im Rahmen des ungarischen Minderheitenschutzgesetzes verfügen. Das auch von Seiten der Bundesrepublik geförderte deutsche Bildungswesen sowie die kulturellen Programme werden auch von Seiten der magyarischen Mehrheit besucht. Wie in der Slowakei ist auch in Ungarn in Bezug auf die deutsche Minderheit in Ungarn keine Spannung mit der Mehrheitsnation existent. Die rund 60.000 Deutschen nach ihrer nationalen Identität in Ungarn stellen nach den Roma die zweitgrösste Minderheit im Lande.

 

Dr. Meinolf Arens thematisierte in seinem auf Vergleich angelegten Vortrag die Situation der deutschen Minderheiten in Ungarn und der Slowakei im Vergleich zu den anderen Minderheiten in diesen beiden Staaten. In beiden Fällen ist sowohl ihr gesellschaftlicher Status besser als bei anderen Gruppen und auch ihre kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten auch dank der vielfältigen Unterstützung aus Deutschland besser als bei anderen zahlenmässig in etwa gleichgrossen Gruppen wie Kroaten, Serben, Slowaken in Ungarn, Ukrainer, Ruthenen, Rusynen in der Slowakei.

 

Andreas Toscano del Banner beleuchtete in seinem Beitrag die rechtliche Situation der Deutschen in Ungarn und der Slowakei im Kontext zu den EU Richtlinien und den EU Rahmenübereinkommen die trotz einiger Defizite etwa im Sprachgesetz im Falle der Slowakei und der neuen Verfassung in Ungarn die kurz vor der Verabschiedung stand. Formal sind sie weitgehend formal erfüllt.

 

Am 23.01 fand eine Podiumskiskussion zur vergleichenden Situation von Minderheiten in der Ukraine (Giorgi Chaidzde MA), Georgien (Tatiana Koroleva M.A.), Polen (Matthias Lempart M.A.), Tschechien (Prof. Dr. Ulrike von Truetschler) und Italien (Luis Prader) unter der Moderation von Dr. Meinolf Arens statt.

Trotz der rechtlich und sozial sehr unterschiedlichen Situation der ethnischen und nationalen Minderheiten in diese Staaten und auch innerhalb der jeweiligen Staaten und ihrer Regionen konnte als Gemeinsamkeit festgestellt werden das die Wende von 1989/1991 mit all ihren Möglichkeiten von allen hier behandelten Gruppen positiv genutzt werden konnte soweit noch Eliten in substantieller Größenordnung vorhanden waren die bestimmte rechtliche Rahmenbedingungen mit durchzusetzen versuchten, eine eigene unabhängige Medienlandschaft aufbauen konnten und gute Kontakte zu internationalen Organisationen und/oder einem Mutterstaat aufbauen konnten. Andere Gruppen die nicht über die Kapazitäten verfügen sind vom Aufgehen in der jeweiligen Staatsnation gerade auch angesichts der attraktiven Möglichkeiten die diese Moderne mit sich bringt betroffen.

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